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„15 Minuten Ruhm, Spaß und viel Grund zum Feiern!“

Stanford-Professor Thomas Südhof zeichnete in einem unterhaltsamen und persönlichen Vortrag seinen Weg zum Nobelpreis nach

30.01.2014

Nobelpreisträger Professor Dr. Thomas Südhof wurde an der Freien Universität von Präsident Prof. Dr. Peter-André Alt begrüßt.

Nobelpreisträger Professor Dr. Thomas Südhof wurde an der Freien Universität von Präsident Prof. Dr. Peter-André Alt begrüßt.
Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Der Henry-Ford-Bau war bis auf den letzten Platz besetzt, als der Medizin-Nobelpreisträger Thomas Südhof einen Vortrag an der Freien Universität hielt: „Mein Weg nach Stockholm: A molecular approach to understanding how neurons communicate at synapses“ lautete der bilinguale Titel – der stellvertretend stand für die binationale Wissenschaftsbiografie des Mediziners in Deutschland und den Vereinigten Staaten. Thomas Südhof, begrüßte Universitätspräsident Professor Peter-André Alt den hochgeehrten Gast, sei die Verkörperung des transatlantischen Geistes, für den auch der Henry-Ford-Bau und die Freie Universität stehe.

Er werde etwas versuchen, was er bisher noch nie versucht habe, sagte Thomas Südhof gleich zu Beginn: „Nämlich einen Vortrag auf Deutsch halten.“ In einer launigen Powerpoint-Präsentation mit zahlreichen persönlichen Fotos zeigte der Medizinprofessor Impressionen aus seiner Kindheit und Jugend: Klassen- und Familienbilder, etwa ein Porträt aus den siebziger Jahren, bei dem er sein Bedauern darüber äußerte, den einstmals so vollen Haarschopf eingebüßt zu haben.

Südhof wies auf mehrere Entscheidungen in seinem Lebens- und Berufsweg hin, die zu wichtigen Wegmarken für seine Forschungskarriere wurden. Er spannte einen Bogen von seinen Anfängen an der Universität in Göttingen, über seine Zeit in Dallas, bis zur Stanford University in Kalifornien, an der er seit 2008 tätig ist.

Wie Nervenzellen im Gehirn miteinander kommunizieren

Seit mehr als 25 Jahren erforscht Thomas Südhof, wie Nervenzellen im Gehirn miteinander kommunizieren. Das geschieht über die entscheidenden Verbindungsstellen, die Synapsen. Sie übertragen die Signale nicht nur präzise und schnell, sondern verarbeiten und verändern sie, „wie ein Minicomputer“, erläuterte Südhof. Als der Mediziner Ende der achtziger Jahre mit seiner Forschung begann, die etwa für die Erklärung und Therapie von Krankheiten wie Autismus oder Schizophrenie wichtig ist, sei dieses Feld noch weitgehend unbearbeitet gewesen. Das sei mit ein Grund für ihn gewesen, sich der Hirnforschung zuzuwenden, anstatt sich weiterhin mit dem Thema Cholesterin zu befassen, woran er bis zu diesem Zeitpunkt gearbeitet hatte.

Ein Foto aus seinem Abitursjahr zeigt ihn mit Siebziger-Jahre-Frisur. Dass er "diese Haare" nicht mehr hat, bedauerte er mit viel Ironie.

Ein Foto aus seinem Abitursjahr zeigt ihn mit Siebziger-Jahre-Frisur. Dass er "diese Haare" nicht mehr habe, bedauerte er mit viel Ironie.
Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Das Max-Kade-Auditorium war bis auf den letzten Platz besetzt, als Thomas Südhof sprach.

Das Max-Kade-Auditorium war bis auf den letzten Platz besetzt, als Thomas Südhof sprach.
Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Die Forschung des Nobelpreisträgers interessierte auch in Günther Jauchs Sendung "Wer wird Millionär". Forscht Südhof über das Transportsystem in a) Haftanstalten, b) Hochsicherheitstrakten, c) Gefängnishöfen oder d) Zellen?!

Die Forschung des Nobelpreisträgers interessierte auch in Günther Jauchs Sendung "Wer wird Millionär". Forscht Südhof über das Transportsystem in a) Haftanstalten, b) Hochsicherheitstrakten, c) Gefängnishöfen oder d) Zellen?!
Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Nobelpreiswürdig

Diese Entscheidung wurde im vergangenen Jahr mit dem Nobelpreis in Medizin belohnt, den sich Thomas Südhof mit seinen beiden US-Kollegen James Rothman und Randy Schekman teilt. In der Begründung des Nobelpreis-Komitees heißt es, Südhof habe mit seiner Forschung erklären können, wie die Übermittlung von Molekülen innerhalb der Zellen vonstatten gehe und welche Rolle die zeitliche Präzision dabei spiele. In Verbindung mit den Ergebnissen von Rothman und Schekman sei das unvergleichlich präzise Kontrollsystem bei der Freilassung von Neurotransmittern – den biochemischen Botenstoffen, mit deren Hilfe ein Reiz von Zelle zu Zelle weitergeleitet wird – nun nachvollziehbar.

Nobelpreis als „Messlatte für die Wichtigkeit von Forschung"

Fragte man Südhof, was ihm der Nobelpreis persönlich bedeute, würde er frei nach Andy Warhol antworten: „15 Minuten Ruhm, Pomp, Spaß und viel Gelegenheit zum Feiern mit Freunden und der Familie.“ Die Bedeutung des Nobelpreises sieht Südhof weniger in der finanziellen Ausstattung, als in dessen Funktion als Messlatte für die Wichtigkeit von Forschung: Die umgerechnet 140 000 Euro nach Abzug von Steuern seien nicht zu vergleichen mit den drei Millionen des sogenannten Breakthrough-Preises – den nur leider niemand kenne.

„Geld macht glücklich“, sagte Südhof, „aber der Nobelpreis macht einen kurzzeitig berühmt!“ Immerhin habe er den Schwedischen König kennengelernt. Wieder ernsthaft fügte er hinzu, dass der Nobelpreis sich dadurch auszeichne, sich immer der wichtigsten Forschung zugewandt und sich keinen Trends oder politischen Zwängen unterworfen zu haben. Er wirke damit als Korrektiv für eine Abhängigkeit der Wissenschaftswelt von Moden. Denn das sei notwendig, ebenso wie mehr Grundlagenforschung, mehr Qualitätskontrolle und mehr Bescheidenheit in der Wissenschaft, was die Verheißungen kurzfristiger Erfolge betreffe, mahnte Südhof.

Ruhe zum Forschen

Zwar habe er den Preis nicht erwartet, sagte er, doch bedeute ihm die Auszeichnung außerordentlich viel. Bei der ganzen Aufregung um seine Person sei ihm allerdings nicht recht wohl gewesen. „Ich habe viel Spaß gehabt, bin aber froh, dass es vorbei ist.“ Wenn er sich etwas wünschen dürfe, was nach dem Nobelpreis für ihn anders werden solle, dann wünschte er sich mehr Ruhe – Ruhe zum Forschen.