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Bees Please – Bienen bitte!

Die britische Verhaltensforscherin Jane Goodall eröffnete ein Wildbienenhotel im Botanischen Garten

16.06.2015

„Mr H“, ein kleiner Stoffaffe und seit Jahren Goodalls ständiger Begleiter auf Reisen, war auch in Berlin zur Eröffnung des Wildbienenhotels dabei.

„Mr H“, ein kleiner Stoffaffe und seit Jahren Goodalls ständiger Begleiter auf Reisen, war auch in Berlin zur Eröffnung des Wildbienenhotels dabei.
Bildquelle: Annika Middeldorf

Das Holz für das Wildbienenhotel stammt aus einer Försterei am Wannsee.

Das Holz für das Wildbienenhotel stammt aus einer Försterei am Wannsee.
Bildquelle: Annika Middeldorf

Schüler der Erich-Kästner-Grundschule in Berlin-Dahlem malten Begrüßungsschilder für die Wildbienen.

Schüler der Erich-Kästner-Grundschule in Berlin-Dahlem malten Begrüßungsschilder für die Wildbienen.
Bildquelle: Annika Middeldorf

Bienen im Glas: Mehr als 150 Wildbienenarten leben im Botanischen Garten. Damit die Kinder sie genauer beobachten konnten, zeigte der Biologe Christoph Saure ihnen einen Teil seiner Sammlung.

Bienen im Glas: Mehr als 150 Wildbienenarten leben im Botanischen Garten. Damit die Kinder sie genauer beobachten konnten, zeigte der Biologe Christoph Saure ihnen einen Teil seiner Sammlung.
Bildquelle: Annika Middeldorf

Nicht nur Menschen, auch Affen benutzen Werkzeuge – mit dieser und anderen Erkenntnissen ist aus der ehemaligen britischen Sekretärin Jane Goodall eine international bekannte Verhaltensforscherin geworden. Heute setzt sich die 81-jährige UN-Friedensbotschafterin weltweit für den Umweltschutz ein. Vergangene Woche kam sie zur Eröffnung eines Wildbienenhotels im Botanischen Garten der Freien Universität und für einen Vortrag nach Berlin.

Dass Jane Goodall eine ungewöhnliche Frau ist, zeigte sie bei ihrem Besuch im Botanischen Garten: Mit einem Affenschrei begrüßte die vielfach ausgezeichnete Wissenschaftlerin das Publikum. Diesmal hatte sie allerdings nicht die Primatenforschung, die Jane Goodall berühmt gemacht hat, nach Dahlem geführt, sondern die Eröffnung des ersten Wildbienenhotels im Botanischen Garten. „Keine Pflanze kann ohne Insekten überleben. Deshalb ist es so wichtig, sie zu schützen“, sagte Goodall zur Eröffnung des Wildbienenhotels der Initiative „Roots & Shoots“ (Wurzeln und Sprösslinge) des Jane-Goodall-Instituts. Weltweit engagieren sich Kinder und Jugendliche in „Roots & Shoots“-Gruppen für Menschen, Tiere und Umwelt. Das Berliner „Bees Please“-Projekt ist eines von tausenden in mehr als 120 Ländern.

Schüler begrüßen Wildbienen

Berliner Schülerinnen und Schüler der Erich-Kästner-Grundschule in Berlin-Dahlem begrüßten die kleinen Summer mit selbstgemalten Schildern. Schüler des Lilienthal-Gymnasiums sollen das Wildbienenhotel zukünftig betreuen und das Wildbienenvorkommen im Botanischen Garten vor und nach Aufstellung des Nistplatzes erfassen. Inspiriert von einem Vortrag von Jane Goodall im vergangenen Jahr hat der Physiker Georg Töbing das Projekt initiiert und das Bienenhotel mit seinem Sohn Gregor gebaut. „Das Holz für den Nistplatz haben wir von einer Försterei am Wannsee. Die morschen Baustämme haben wir direkt im Wald gesammelt“, sagt der 14-Jährige.

Typische Nistplätze sind abgestorbenes Holz, Distel- oder Holunderstängel, sandiger und lehmiger Boden oder leere Schneckenhäuser. Viele Wildbienenarten sind in ihrem Bestand gefährdet, weil diese natürlichen Nistplätze verschwinden. „Das liegt auch an der modernen Landwirtschaft“, sagt Moritz Langer vom Projekt „Bees Please“.

Schlaraffenland für Wildbienen

Für Wildbienen ist der Botanische Garten ein echtes Schlaraffenland. Das Nahrungsangebot sei optimal für die Tiere, bloß an den Nistplätzen fehle es, sagt der Biologe Christoph Saure, der das Projekt wissenschaftlich betreut. Saure hat an der Freien Universität promoviert und kennt das Bienenvolk im Botanischen Garten besonders gut. „Etwa 160 Bienen-Arten leben dort.“ 550 Arten etwa gebe es insgesamt in Deutschland.

Das Wildbienenhotel will Modell sein: Es soll die Besucher inspirieren, selbst Nistplätze zu schaffen. „Jeder kann zu Hause etwas für Bienen tun“, sagt Goodall. Mit einem selbstgemachten Bienenhotel oder ein paar Blumen auf dem Balkon als Nahrungsmittelstation könne jeder seinen Beitrag zum Erhalt der natürlichen Vielfalt leisten.