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„Für mich ist es eine Frage der Gerechtigkeit“

Am 26. April 2018 beteiligt sich die Freie Universität mit einem bunten Programm am Girls’ Day / Interview mit der zentralen Frauenbeauftragten Mechthild Koreuber

20.04.2018

Der diesjährige Girls' Day findet am 26. April statt. Die Freie Universität bietet auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Veranstaltungen für Mädchen an.

Der diesjährige Girls' Day findet am 26. April statt. Die Freie Universität bietet auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Veranstaltungen für Mädchen an.
Bildquelle: Marina Kosmalla

Als die Freie Universität 2002 erstmals den Girls‘ Day anbot, war der Aktionstag noch relativ unbekannt und die politische Förderung von Frauen in von Männern dominierten Berufssparten steckte noch in den Anfängen. Inzwischen gibt es am Mädchenzukunftstag tausende Veranstaltungen in ganz Deutschland, um Schülerinnen der 5. bis 10. Klasse Berufe und Ausbildungen schmackhaft zu machen, die als typisch männlich gelten. Die promovierte Mathematikhistorikerin und zentrale Frauenbeauftragte der Freien Universität, Mechthild Koreuber, spricht im Interview über die Highlights des diesjährigen Programms und erklärt, warum sich junge Frauen nach wie vor seltener für technisch-naturwissenschaftliche Berufe entscheiden als Männer.

Frau Dr. Koreuber, was sind die Highlights des diesjährigen Girls‘ Day?

Zum Beispiel der interaktive Kurs „100 kleine Experimente zum Selbermachen“ im Fach Physik. Oder der Kurs aus der Meteorologie zur Zukunft der Wetterbeobachtung, bei dem ein 3-D-Drucker zum Einsatz kommt. Grundsätzlich sind Workshops immer toll, in denen die Mädchen am Computer basteln und programmieren können.

Die meisten Angebote kommen aus den MINT-Fächern: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Aber wir haben auch geisteswissenschaftliche Veranstaltungen im Programm. Schließlich wollen wir den Schülerinnen nicht nur neue Berufsperspektiven aufzeigen, sondern sie auch allgemein für eine Karriere als Wissenschaftlerin begeistern.

Wie wird der Aktionstag angenommen?

Sehr gut! Wir sind immer sehr erfolgreich beim Einwerben der Workshops, denn den Kolleginnen und Kollegen aus den Fachbereichen macht es Spaß, ihr Wissen weiterzugeben. Außerdem haben wir mehrere Anmeldetage eingerichtet – einer liegt in den Schulferien –, damit möglichst viele Mädchen die Chance haben, sich zu informieren.

Warum gibt es eigentlich keinen Boys‘ Day an der Freien Universität?

Es gibt auf Bundesebene einen Jungen-Zukunftstag, aber der hat eine etwas anderer Zielsetzung als der Girls‘ Day. Es geht zwar auch darum, Jungen an Berufe heranzuführen, in denen Männer bisher unterrepräsentiert sind – von denen haben wir an der Universität aber wenige. Außerdem soll mit dem Boys‘ Day auch der drohende Fachkräftemangel ausgeglichen werden, der ja auch gerade in technischen Berufen ein Problem ist.

Und warum entscheiden sich junge Frauen nach wie vor allem für Berufe, die als „typisch weiblich“ gelten?

Weil Geschlechterstereotypen an vielen Schulen noch immer sehr stark sind. Die Verbreitung dieser Stereotypen funktioniert sehr subtil und beginnt oft schon in der Grundschule. Dass das innerhalb von 15 Jahren nicht einfach verändert werden kann, ist nicht verwunderlich. Viele Lehrerinnen und Lehrer haben ihre Stellen schließlich jahrelang inne.

Wir wirken aber auch auf die Grundschulpädagogik ein, um das Lehrpersonal für die Wahrnehmung von Geschlechterstereotypen zu sensibilisieren. Für mich ist es eine Frage der Gerechtigkeit: Kein Mädchen sollte gebremst werden, wenn es Interesse an einem naturwissenschaftlich-technischen Beruf hat.

Die Fragen stellte Peter Schraeder