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Drei Fragen, drei Antworten …

…mit den Gewinnerinnen und Gewinnern des Videowettbewerbs 2018

17.12.2018

Sie haben sich mit ihren Kurzfilmen zum Thema „Internationalität an der Freien Universität“ gegen eine Vielzahl von Einsendungen durchgesetzt – die Gewinnerinnen und Gewinner des diesjährigen Videowettbewerbs. Für campus.leben haben sie alle drei Fragen beantwortet:

1. Wie sind Sie darauf gekommen, das Thema “Internationalität” so zu interpretieren, wie Sie es getan haben?

Jens Kraushaar, stellvertretend auch für Daniela García del Pomar und Paul Holdsworth („Memories of a living structure“, 1. Platz)

Wir wollten einen neuen, anderen Ansatz verfolgen, der sich inhaltlich mit der Historie der Freien Universität auseinandersetzt. Den Gebäudekomplex als Körper zu verstehen kam uns dabei schnell in den Sinn. Die Architektur mit der Philologischen Bibliothek als "Gehirn" des Ganzen, in dem die Gedanken herumschwirren, erschien uns als metaphorisches Bild sehr treffend.

Daniela und Paul haben mit Hilfe der freundlichen Archivarinnen der Freien Universität passende Audio-Aufnahmen gefunden, die ganz präzise die geschichtliche Entwicklung der Freien Universität in Bezug auf ihren internationalen Werdegang reflektieren. Die Architektur der Uni stellt den visuellen Rahmen dar, in dem das Gesprochene Wort noch nachhallt. Uns war es wichtig, eine besondere Stimmung festzuhalten.

Vladislav Ivanov, stellvertretend auch fürVasilii Fedorov (“FU verbindet Menschen“, 2. Platz)

Wir wollten unbedingt, dass unser Video humorvoll und dynamisch ist und haben zunächst verschiedene Ideen gesammelt, die wir dann im Freundeskreis diskutiert haben. Schließlich haben wir Szenen ausgearbeitet, die unterschiedliche Bereiche des Unilebens darstellen.

You Kyung Byun („A Cleaner“, 3. Platz):

Mir sind die Reinigungskräfte öfter früh am Morgen, wenn ich in der Uni angekommen oder sie spät am Abend verlassen habe, aufgefallen, vermutlich da sie nicht in den Hauptbetriebszeiten arbeiten. Mir fiel außerdem auf, dass die Reinigungskräfte meistens "people of color" sind. Ich wollte deshalb mit meinem Video zeigen, dass Internationalität nicht nur in sichtbaren Bereichen existiert, sondern auch im Hintergrund, der von den meisten kaum beachtet wird.

Rocío Vera Santos („Erzählungen von Entwurzelung“, Publikumspreis):

Das Videoprojekt „Erzählung von Entwurzelung“ ist ein gutes Beispiel wie Internationalität in der Praxis funktioniert. Der Film zeigt die Zusammenarbeit zwischen Studentinnen aus Deutschland und Lateinamerika sowie männlichen, geflüchteten Jugendlichen aus Pakistan, Syrien und Afghanistan, die selbstbestimmt im Team zusammengearbeitet und voneinander gelernt haben. Ich wollte mit meinem Beitrag zeigen, dass interkultureller Austausch funktionieren kann.

2. Woher haben Sie das filmische Know-how?

Jens Kraushaar:

Wir drei haben uns während des Studiums an der filmArche kennengelernt, einer selbstverwalteten und selbstorganisierten Filmschule in Berlin. Ich (Jens) habe während meines Studiums am Dahlem Humanities Center gearbeitet und bin so auf den Videowettbewerb aufmerksam geworden. Wir hatten total Lust gemeinsam einen filmischen Beitrag zu produzieren, die Idee haben wir dann auch zusammen entwickelt. Paul und Daniela sind für die tollen Bilder verantwortlich. Den Schnitt haben wir zusammen an mehreren Abenden erarbeitet. 

Vladislav Ivanov:

Bevor wir mit dem Dreh angefangen haben, hatten wir fast gar keine Erfahrung, was Kamera, Regie und Schnitt angeht. Weshalb wir das Workshop-Angebot im Rahmen des Videowettbewerbs wahrgenommen haben. Dieses Wissen hat uns auch beim Drehen geholfen. Außerdem schauen wir beide leidenschaftlich gern gute Filme aus verschiedenen Epochen.

You Kyung Byun:

Mich begeistert das Material Film und ich habe mir die filmischen Techniken neben dem Studium selbst beigebracht.

Rocío Vera Santos:

In Ecuador habe ich während meines Studiums ein paar Filmkurse absolviert. Bei diesem Film habe ich zudem mit drei Kollegen aus Kolumbien, Ecuador und Deutschland zusammengearbeitet, die Erfahrung mit Filmproduktion haben.

3. Was werden Sie mit dem Gewinn anfangen?

Jens Kraushaar:

Ich hoffe ja, dass wir das Preisgeld in ein neues Filmprojekt investieren. Mir geht schon lange eine Idee durch den Kopf, die ich gerne mit den beiden realisieren würde. Vielleicht lässt es sich mit dem Geld teilweise realisieren. Aber wir sprachen auch schon darüber, uns neues Equipment zu kaufen. Eine Drohne mit eingebauter Kamera wäre auch nicht schlecht...

Vladislav Ivanov:

Erstmal wollen wir uns bei allen bedanken, die an unserem Film mitgewirkt haben, indem wir sie zu einem gemeinsamen Abend einladen. Und vielleicht leisten wir uns auch noch einen Film-Workshop.

You Kyung Byun:

Ich bin Doktorandin an der Freien Universität Berlin und wie viele andere Promovierende habe ich momentan kein festes Einkommen, deshalb werde ich den Gewinn verwenden, um meine Miete zu bezahlen.

Rocío Vera Santos, da der Publikumspreis ein Sachpreis war, an Sie eine andere Frage: Planen Sie noch einmal ein solches Projekt zu verwirklichen?

Ja! Ich wünsche mir, dass solche interkulturellen Projekte mehr Raum im deutschen Bildungssystem bekommen. Ich würde gern eine neue Version von “Erzählungen von Entwurzelung” mit geflüchteten Frauen realisieren sowie mit einer anderen Gender-Gruppe. Ich finde, dass Videos heutzutage ein besserer Weg sind, um Aufmerksamkeit, Verständnis und Wertschätzung für andere Realitäten zu schaffen. Als Wissenschaftlerin möchte ich solche Filmprojekte auch gern weiterhin in meine Lehrveranstaltungen implementieren.